Mühle Drenckmann in Magdeburg
In der Mühle W. A. Drenckmann in Magdeburg-Sudenburg, direkt an der Halberstädter Straße in Höhe der Einmündung des Südrings gelegen und aus einer Wassermühle am Bach Klinke entstanden, kam es in den Jahren 1932 oder 1933 zu einem verheerenden Brand, der den Neubau der eigentlichen Mühle erforderlich machte. Dafür wurde ein neues Produktionsgebäude errichtet, in das durch die Fa. MIAG Braunschweig eine komplette Weizen- und eine komplette Roggenmühle nach neuester Technik eingebaut wurden, natürlich mit Elektroenergie angetrieben. Die Mühle Drenckmann war damit führend im mitteldeutschen Raum. Eine Besonderheit war ein Paternoster-Aufzug im Produktionsgebäude ohne jegliche Umhausung, mit der der diensthabende Müller schnell von einer Etage zur anderen gelangen konnte. Die Mühle war auch in anderen Dingen sehr fortschrittlich, so erfolgte die Getreideanlieferung teilweise per Eisenbahnwaggon, die in Ermangelung eines eigenen Gleisanschlusses mit einem Culemeyer-Straßenroller direkt an die Schüttgosse gefahren wurden.
Den 2. Weltkrieg hat die Mühle unbeschadet überstanden, und sie lief bis zum Jahr 1953 als privater Betrieb unter der Leitung des Eigentümers Dr. jur. Drenckmann weiter.
Als die behördlichen Schikanen zu groß wurden, verließ die Familie Drenckmann die DDR, und die Mühle wurde als Südmühle/Werk 3 dem VEB Magdeburger Mühlenwerke (neben der Neuen Mühle/Werk 1 und der Hafenmühle/Werk 2) angegliedert.
Vom April 1956 liegt dazu ein Foto vor, auf dem im Hintergrund die beiden Siloanlagen (Betonsilo und rechts davon ein Stahlzellensilo) sowie ein Teil des Mühlengebäudes zu sehen sind.
Anfang der 1960er Jahre wurde die Mühlentechnologie umgestellt auf die Produktion von Hartweizengrieß und Dunst, wozu u.a. eine Reihe von Walzenstühlen mit Porzellanwalzen ausgerüstet wurden.
Um das Jahr 1970 wurde die Mühle geschlossen, unter anderem, weil der Straßenzug Westring/Südring in östlicher Richtung weitergebaut werden sollte.
Die Mühlentechnologie wurde demontiert, und in das in den 1930er Jahren neu errichtete Mühlengebäude zog der VEB Dienstleistungskombinat Magdeburg ein.
Der markante Beton-Getreidesilo wurde erst 1991/1992 abgebrochen.
Eine Besonderheit gab es noch:
Bereits vor dem 2. Weltkrieg existierte auf dem weitläufigen Gelände am Ufer der Klinke eine Hühnerhaltung, deren Eier als besonders qualitätsvoll galten und an Krankenhäuser als Trinkeier geliefert wurden. Die Hühnerhaltung wurde auch nach dem 2. Weltkrieg als betriebliche Aufgabe und Geschäftsbereich fortgesetzt und bis in die 1960er Jahre betrieben, was es wohl in keinem anderen Industriebetrieb in Magdeburg gegeben hat.
Was ist von der Mühle geblieben?
Einige Devotionalien wie ein gummiertes Papier-Klebeband mit Werbespruch,
ein Teigschaber
und ein Kopfbogen.
Aber was wäre die technisch beste Mühle ohne die Müller und die weiteren Mitarbeiter, die ihr Handwerk verstanden und aus vielen, sich immer wieder wandelnden Rohstoffen das begehrte und dringend gebrauchte Mehl für Brot und süße Backwaren herstellten. So soll am Ende des Berichtes über die Drenckmann-Mühle auch dieser Menschen gedacht werden, stellvertretend für alle hier abgelichtet am 18.04.1956:
Silomeister Walter Miehe, Bodenmeister Rudolf Lehmann, Obermüller Adam Herppich
Ursprung dieses Artikels:
Hermann Braumann 39124 Magdeburg Ankerstraße 9
Bearbeitungsstand: 27.12.2021